Die Sonne im Tank (Leider immer noch nicht)


Thorsten Warkall, Obermeister bei den Technischen Diensten im Knüppelwalzwerk bei ArcelorMittal Duisburg, treibt sein Auto künftig mit Solarstrom an.
Für ihn ist es eine logische Entscheidung, seinen Strom selbst zu produzieren: „Ich komme ja aus dem Bereich Elektrotechnik; da ist das Energiemanagement zu Hause relativ einfach.“ Deshalb soll nun eine 100 Quadratmeter große Solaranlage auf’s Dach; der überschüssige Strom, der nicht im Haus verbraucht wird, soll künftig sein Elektroauto antreiben. So weit, so gut – doch das „Tanken“ von Strom stellt den Energiesparer vor einige Herausforderungen im Alltag…

Unterwegs mit dem Energiesparmobil 
Finanziell lohnt sich das Fahrzeug, das sich Thorsten Warkall im August 2014 gekauft hat, schon jetzt: Wird es mit normalem Haushaltsstrom „aufgetankt“, kosten 100 Kilometer drei Euro. Für den Solarstrom fallen lediglich die Investitionskosten an, die sich innerhalb von 15 Jahren amortisieren.
Trotzdem musste er schnell feststellen, dass Elektroautos ihre Besitzer vor so manche Herausforderungen stellen: Sein Renault Fluence Z.E. hat eine Reichweite von rund 160 Kilometern – jedenfalls im Sommer, wenn die Heizung nicht läuft. Natürlich wollte er einmal selbst testen, was der Akku leistet; und so beschloss er, mit dem Wagen seinen Vater in Norddeutschland zu besuchen, rund 160 Kilometer von Duisburg entfernt. Eine Umleitung brachte die ohnehin knappe Kalkulation rund 30 Kilometer vor dem Ziel durcheinander; bis zur nächsten Ladestation wurde ein weiterer Umweg fällig.
Auf dem Rückweg wurde das Experiment dann richtig spannend: Als sich Thorsten Warkall abends wieder auf den Weg machte, war der Akku noch nicht voll aufgeladen. Für die erste Ladestation auf dem Weg besaß er, wie sich vor Ort herausstellte, nicht die richtige Zugangskarte; die nächste war gerade erst wegen Modernisierung abgebaut worden. Glücklicherweise befand sich nur wenige Meter weiter eine Außensteckdose der Autobahnpolizei; der Betreiber ließ ihn nicht nur Strom tanken, sondern brachte auch noch Kaffee vorbei. „Die Autobahnpolizisten haben nicht schlecht gestaunt, als sie nachts vom Einsatz zurückkamen“, lacht der Moerser.

ArcelorMittal unterstützt innovative Ideen
Das Problem ist die Infrastruktur in Deutschland: Es gibt nur relativ wenige Ladestationen, die vorhandenen arbeiten mit unterschiedlichen Lade- und Bezahlsystemen und sind oft zugeparkt. „Eigentlich müsste man um die 25 Karten und Schlüssel in der Tasche haben, um sie alle nutzen zu können; das ist noch nicht wirklich ausgereift“, erzählt Thorsten Warkall. Umso wichtiger ist es für ihn, dass die Geschäftsleitung von ArcelorMittal ihm ermöglicht, das Auto gegen eine entsprechende Vergütung am Arbeitsplatz aufzuladen: „Manchmal bin ich wirklich darauf angewiesen, um nach der Arbeit flexibel zu bleiben“, sagt er. Deshalb befinden sich seit November 2014 auf dem Parkplatz – etwas abseits – eine Steckdose sowie eine Kiste, in der das Ladegerät sicher eingeschlossen werden kann.

Ein Auto mit Spaßfaktor
Ob er Elektroautos weiterempfehlen würde? „Zurzeit sind sie noch nicht für jeden geeignet“, meint Thorsten Warkall. Zwar sind bereits Modelle mit deutlich mehr Reichweite und schnellerer Ladetechnik auf dem Markt, die Preise sind aber entsprechend hoch. Er selbst kann für Langstrecken auf einen Zweitwagen zurückgreifen; wer diese Möglichkeit nicht hat, muss sich gut überlegen, ob er in ein Fahrzeug investieren möchte, das sich nur auf kurzen Strecken problemlos nutzen lässt. „Auf jeden Fall macht das Auto unheimlich viel Spaß“, schwärmt er. „Von der Fahrdynamik her ist es wesentlich agiler als jeder Verbrenner; es bringt vom Stand aus volles Drehmoment und volle Leistung, und fährt dabei absolut ruhig. Deshalb habe ich den Kauf nie bereut – auch wenn das ‚Tanken‘ manchmal abenteuerlich ist.“

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