Kommunikation statt Kommerz an privater E-Ladestation
MOERS. Thorsten Warkall bietet in Holderberg die einzige private Ladestation für Elektro-Autos in Moers an. Und das ist nicht alles, was er teilt.
„Klar können Sie hier parken“, sagt Thorsten Warkall vor seiner Garage. „Ich bin kein militanter Verbrennungsmotor-Gegner.“ Aber jemand, der die E-Mobilität für sich entdeckt hat und sogar noch einen Schritt weiter geht: Warkall bietet im Carport neben seinem Haus auf der Wilhelm-Anlahr-Straße 47 in Holderberg die derzeit einzige private Ladestation für Elektro-Autos in Moers an.
„Falls mein eigenes Fahrzeug den Ladepunkt blockiert, einfach klingeln“, schreibt er auf www.goingelectric.de, einem Stromtankstellenverzeichnis und -forum im Internet. „Die Leute können gerne auch auf einen Ladetalk reinkommen. Das Thema ist sehr vielschichtig und Gespräche darüber eigentlich immer sehr interessant.“
Seinen Elektro-Renault kaufte er 2014
2014 hatte sich der 50-Jährige einen Renault der hierzulande eingestellten Serie Fluence Z.E. mit einer Traktionsbatterie nach dem von „Better Place“ angestrebten Tauschsystem zugelegt. Das Unternehmen ist vom Markt verschwunden, die Akkus lassen sich aber an den üblichen Stationen aufladen.
„Die Reichweitenangaben der Hersteller sind noch unrealistischer als der Spritverbrauch“, so Warkall. „Aber irgendwann hat man verinnerlicht: wo man steht, da lädt man.“ 120 bis 160 Kilometer fährt sein Stromer, neuere Modelle kommen wesentlich weiter.
Die Nachfrage an der Strom-Tanke hält sich in Grenzen
Die Nachfrage für das kostenlose Lade-Angebot („Spenden willkommen“) hält sich in Grenzen, was den Elektro-Techniker aber nicht wundert. Es ist auch noch keine Schnelllade-Station mit 22 Kilowatt oder mehr, sondern 3,5kw an der Straße und bei Bedarf 17kw vom Garten aus.
Zudem planen E-Autofahrer ihre Touren auch nicht unbedingt so, dass sie in Holderberg Halt machen müssen. Es ist vielmehr ein Not-Angebot, auf das Warkall selbst schon einmal gerne in der Fremde zurück gegriffen hätte.
Fünf Euro auf 100, aber 1000 Euro Batteriemiete
„Die erste eingeplante Ladestation wurde gerade umgebaut, die zweite funktionierte nicht“, erinnert er sich an seine Tour, die schließlich nach einer Tasse Kaffee und vier Stunden Ladezeit an einer konventionellen Steckdose bei der Autobahnpolizei fortgesetzt wurde.
Mit einem Verbrauch von rund 20kw pro 100 Kilometer liegt sein Auto bei unter fünf Euro Kosten für diese Strecke. Hinzu kommt allerdings die Batteriemiete, rund 1000 Euro pro Jahr. Dafür ist der weitere Unterhalt wie die Inspektionen sehr günstig („Die Bremse brauche ich fast nie!“) und die Akkus werden im Bedarfsfall kostenfrei getauscht.
Der Holderberger bietet auch Couch-Surfing an
Sich ein Auto mit einem konventionellen Antrieb zulegen würde er nicht mehr. „Ich war nach einer Probefahrt sofort begeistert von der Fahrdynamik, aber auch der Entspannung und mittlerweile der Entschleunigung bei längeren Touren durch die Stopps“, so Thorsten Warkall, dem das Thema Ressourcen- und Güterteilung besonders am Herzen liegt und der auch „Couch Surfing“ anbietet.
„Den Deutschen ist das Auto heilig. Aber ich denke, dass gerade in puncto Mobilität und Individualverkehr ein Umdenken stattfinden muss“, sagt der 50-Jährige.
Amsterdam hat mehr Ladestationen als Deutschland
„Für die Bedürfnisse vieler Menschen passen E-Autos und auch die Infrastrukturen und die Stromnetze vieler Städte gar nicht. Auch in Moers könnte nicht jeder plötzlich ein E-Auto fahren“, so Warkall. „Daran sind aber nicht die Leute, sondern die Politik schuld. Allein Amsterdam hat bald mehr Ladestationen als ganz Deutschland.“
Daran ändert auch sein Angebot an der Wilhelm-Anlahr-Straße 47 in Holderberg nichts.

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